Katharina Rühling (Redaktion) im Gespräch mit Malika Eilers (Regionalberaterin für Westsachsen)
Seit 2022 bieten wir im Denkmalnetz Sachsen als zivilengagierte Initiative Denkmaleigentümer:innen, Denkmalneulingen, Kaufinteressierten, Denkmalverantwortlichen und Denkmalinteressierten kostenfreie Beratungen zu allen Fragen rund um ihr Denkmal an. Dazu sind unsere Berater:innen regelmäßig in Sachsen unterwegs, um Objekte zu besichtigen, Denkmaleigentümer:innen und - engagierte zu beraten, Knoten zu lösen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Mittlerweile erreichte uns bereits die 283. Beratungsanfrage. Im Gespräch mit Malika Eilers, Regionalberaterin für Westsachsen, warfen wir noch einmal einen Blick zurück auf die diversen Beratungen, Denkmale und Menschen, die 2025 ihren Weg zu uns gefunden haben.
Im Gespräch mit Malika Eilers
Malika Eilers, die Beratung von Denkmaleigentümer:innen und -engagierten sowie jenen, die es werden möchten, ist ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit im Denkmalnetz Sachsen. 2025 haben uns viele Beratungsanfragen, zu ganz unterschiedlichen Themen erreicht. Gab es dabei bestimmte Schwerpunkte?
2025 haben uns insgesamt 91 Beratungsanfragen erreicht. Die Themen waren dabei so unterschiedlich, wie die Denkmale und die Menschen, die sich um sie kümmern. Sehr häufig bekommen wir Anfragen von Menschen, die kurz davor stehen sich ein denkmalgeschütztes Gebäude zu kaufen, aber unsicher sind, was das eigentlich konkret bedeutet und ob sie das perspektivisch stemmen können. 2025 waren das immerhin 29 Beratungen. Das zeigt, dass es da draußen viele Menschen gibt, die damit liebäugeln ein denkmalgeschütztes Objekt zu erwerben und sich dafür entsprechendes Basiswissen wünschen.
Ebenfalls ein echtes Dauerthema ist die Förderung und Finanzierung von Maßnahmen an denkmalgeschützten Objekten. Hier überlegen wir im Beratungsgespräch gemeinsam welche Maßnahmen priorisiert werden sollten und geben Hinweise, welche Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten dafür infrage kommen, welche Fristen für die Antragstellung bestehen und an wen man sich für weitere Informationen oder konkrete Hilfestellung wenden kann.
Auch Fragen zur energetischen Sanierung, die Suche nach geeigneten Handwerker:innen und Fachplaner:innen, Nutzungsfragen oder Bauschäden werden, neben weiteren Themen, regelmäßig an uns herangetragen.
Inspiriert von den häufigsten Fragestellungen unserer Beratungsanfragen wählen wir übrigens auch die Themen für unsere Expert:innenrunden Digital. 2025 gab es bereits fünf dieser Online-Veranstaltungen, darunter Energetischer Sanierung und Sanierungskosten am Baudenkmal. Im März geht’s weiter mit Grundwissen für Denkmalneulinge. Weitere drei Themen für 2026 sind in Planung.
Gab es im Vergleich zu den bisherigen Jahren in 2025 bestimmte Gebäudetypen, die uns besonders häufig in unserer Beratungstätigkeit begegnet sind? Oder auch Objekte die besonders herausstachen?
2025 erreichten uns besonders viele Anfragen zu ländlichen Hofanlagen, sowohl von Kaufinteressierten, als auch von Denkmaleigentümer:innen, die konkrete Fragen zu Instandsetzungsmaßnahmen, Fördermöglichkeiten oder anderen Schwerpunkten hatten. Häufig beschäftigen uns Ein- und Mehrfamilienwohnhäuser unterschiedlichster Bauart, darunter Fachwerk- und Umgebindehäuser oder Villen. Auch Industriebauten, Mühlen, Bahnhöfe, Schlösser, Gasthöfe, ehemalige Schulen oder kirchliche Gebäude finden sich in unseren Beratungen wieder – wobei die umgesetzten oder geplanten Nutzungen ebenso vielfältig sind wie die Objekte selbst.
Außerdem haben wir im Jahr 2025 zwei Kulturhäuser beraten und begleitet und in diesem Zusammenhang Veranstaltungen organisiert, in deren Rahmen auch die Bedeutung dieser Begegnungsorte für ländliche Regionen deutlich wurde: Im Kulturhaus Borstendorf fand der Thementag 2025 "Raum für Wandel - Denkmale als Orte der Begegnung“ statt, im Kulturhaus Laubusch setzten wir einen Workshop-Nachmittag in Form einer Zukunftswerkstatt um.
Neben den Orientierungsberatungen zu diversen Themen, gibt es auch Denkmale und ihre Menschen, die wir über einen längeren Zeitraum begleiten. Warum und wie?
Bei den "Orientierungsberatungen" sprechen wir über Themen, bei denen wir den Anfragenden, ich sage gern, einen bunten Blumenstrauß an Informationen und Wissen mit auf den Weg geben, damit diese die nächsten Schritte gehen können. Es gibt aber auch Objekte und Sachlagen, die deutlich komplexer sind und die eine intensive Begleitung über einen längeren Zeitraum erfordern. Diese Form der Beratung bezeichnen wir als "Prozessbegleitung". Hier identifizieren wir nach einer Analyse der Ausgangslage die größten Herausforderungen, suchen gemeinsam nach Lösungsansätzen und passen unsere Methoden je nach Zielsetzung flexibel an. Eine Prozessbegleitung kann zum Beispiel in Form moderierter Gespräche oder spezieller Veranstaltungsformate stattfinden. In manchen Fällen fungieren wir auch als Sparringspartner über einen längeren Zeitraum hinweg, wie etwa für die Engagierten in Pödelwitz, im Museum Schwarzbach oder im Schloss Jahnishausen.
Neben privaten Eigentümer:innen oder Initiative, unterstützen wir auch regelmäßig Kommunen. In welchen Themen haben wir 2025 Kommunen beraten und unterstützt?
Gerade im ländlichen Raum stehen Kommunen häufig vor strukturellen, finanziellen und planerischen Herausforderungen – auch im Umgang mit dem denkmalgeschützten Baubestand. Die konkreten Herausforderungen und Zielstellungen sind dabei so vielfältig wie die Methoden, mit denen wir ihnen begegnen.
Im Jahr 2025 haben wir beispielsweise gemeinsam mit der Stadt Limbach-Oberfrohna und den Museen der Stadt unseren Labortag 2025 ausgerichtet, mit dem übergeordneten Ziel, Sichtbarkeit für das Industriedorf Wolkenburg zu schaffen und Zukunftsvisionen für die vier ausgewählten Objekte – Schloss, Bahnhof, Spinnmühle und Papierfabrik – zu entwickeln.
Aber auch durch die Mitwirkung bei der Erarbeitung einer Gestaltungssatzung, durch grundlegende Beratung zum Umgang mit dem denkmalgeschützten Baubestand vor Ort sowie bei der Klärung konkreter Fragestellungen haben wir unterschiedliche Kommunen auch in 2025 wieder aktiv unterstützt.
Gab es eine Beratung im Jahr 2025, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Unsere Prozessbegleitung für die Stadt Limbach-Oberfrohna im Rahmen unseres Labortages 2025 "Eine Zukunft für das Industriedorf Wolkenburg" ist mir tatsächlich besonders in Erinnerung geblieben. So reibungslos die Durchführung verlief, so anspruchsvoll war die Planung im Vorfeld. Im Industriedorf Wolkenburg lag die besondere Herausforderung vor allem darin, dass wir nicht nur ein einzelnes Objekt, sondern gleich vier unterschiedliche Gebäude für die Veranstaltungsplanung berücksichtigen mussten.
Dank der tollen Zusammenarbeit mit der Stadt, den Museen und den Menschen vor Ort konnten wir eine lebendige und abwechslungsreiche Veranstaltung umsetzen. Aus den zahlreichen Begegnungen hat sich bereits ein größeres Netzwerk gebildet, neue Kontakte und Synergien sind entstanden, und für die weitere Entwicklung und Ausgestaltung des Industriedorfs Wolkenburg ist eine solide Basis gelegt.
Für uns im Denkmalnetz Sachsen stehen die Menschen mit ihren Denkmalen besonders im Fokus. Gab es 2025 positives Feedback, das besonders betont werden sollte?
Unter anderem für unseren Labortag 2025 in Wolkenburg haben wir sehr positives Feedback erhalten - sowohl von unseren Veranstaltungspartner:innen als auch von den Teilnehmenden. Doch auch im Rahmen von Orientierungsberatungen erreichen uns oft sehr schöne und wertschätzende Rückmeldungen. Viele Personen schätzen die Zeit und das offene Ohr, mit dem wir ihnen begegnen. Oft hilft bereits das gemeinsame Sortieren von Herausforderungen, um die nächsten Schritte zu sehen und gehen zu können. Gleichzeitig geben wir in unseren individuellen Beratungen den Menschen passende Informationen an die Hand, die auf ihre Situation zugeschnitten sind. Dadurch fühlen sich die Beratenen gestärkt und gewinnen neuen Mut. Die Dankbarkeit für diese Unterstützung zeigt sich oft im persönlichen Beratungsgespräch oder auch schriftlich im Nachgang. Und dieses positive Feedback bestärkt wiederum uns darin, den Menschen auch künftig mit Zeit, Aufmerksamkeit und Offenheit für ihre individuellen Fragestellungen zu begegnen.
Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Malika Eilers!
Haben auch Sie Fragen, die Sie bezüglich Ihres Denkmals und dessen Zukunft beschäftigen?
Wir freuen uns auf Ihre Beratungsanfrage!
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Fotos: DNS, Katharina Rühling
Grafik: Beratungsanfragen 2025 (links) und Übersicht Beratungsobjekte 2025 (rechts), DNS, Malika Eilers