Ein Beitrag von Katharina Rühling und Josy Pechstädt

Vor kurzem führte uns eine unserer Beratungen nach Marienberg ins Erzgebirge. Dort unterstützen wir den Denkmaleigentümer bei verschiedenen Fragestellungen rund um sein Huthaus des ehemaligen Einhorner Zeuggrabens. Dazu bald mehr.

Doch einen Hut hat das Haus nicht auf – was ist eigentlich ein Huthaus und warum heißt es so?

Als Huthaus wird das zentrale Verwaltungsgebäude eines Bergwerks bezeichnet. Die Bezeichnung ist besonders typisch für das Erzgebirge oder auch dort, wo sich Bergleute aus dem Erzgebirge ansiedelten. In anderen Regionen wird es Zechenhaus oder Zechenstübel genannt. Ursprünglich war das Huthaus ein Wachhaus. Im Bergbau entwickelte es sich jedoch rasch zum organisatorischen und sozialen Mittelpunkt der Grube. Die Bezeichnung leitet sich vom Hutmann ab – dem Grubenaufseher, der hier seinen Amtssitz hatte. Der Name leitet sich von hüten oder behüten ab.

Ein Huthaus vereinte zahlreiche Funktionen unter einem Dach: Verwaltung, Lager für Material, Werkzeuge und Grubenlampen, Werkstatt, Schmiede und häufig auch Wohnräume im Obergeschoss. In der sogenannten Hutstube führte der Hutmann die Zechenbücher, in denen Löhne, Kosten und Erträge festgehalten wurden. Bei kleineren Anlagen befand sich auch die Betstube im Huthaus.

Auch architektonisch war das Huthaus ein prägendes Gebäude der Bergbauanlagen. Die Huthäuser entsprachen den im Erzgebirge üblichen Wohnhäusern. Seine Größe spiegelte die Größe der Grube wider. Meist zwei- bis dreigeschossig, oft mit einem Dachreiter samt Glocke, Uhr und Wetterfahne, markierte es den Arbeitsrhythmus der Bergleute. Das Läuten der Glocke rief zur Schicht, zum Gebet und kündigte das Schichtende an.

Ein Huthaus war damit weit mehr als ein Funktionsbau: Es war Treffpunkt, Aufenthaltsraum, Verwaltungszentrum, spiritueller Ort und manchmal sogar Herberge – insbesondere dort, wo die Gruben weit von den Wohnorten entfernt lagen.

Als Denkmal erzählen die erhaltenen Huthäuser heute eindrucksvoll vom Alltag, der Organisation und dem Selbstverständnis des historischen Bergbaus.

Hätten Sie es gewusst?


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Fotos: DNS, Josy Pechstädt