Wie kann bürgerschaftliches Engagement für den Erhalt historischer Baukultur noch besser zusammenwirken? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 14. Juni 2026 zahlreiche Engagierte, Vereinsvertreter:innen, Kommunalverantwortliche sowie Interessierte beim Engagiertentag 2026 im Grimmaer Rathaus. Unter dem Motto „KulturDenkmale vernetzen“ hatte das Denkmalnetz Sachsen gemeinsam mit dem Landratsamt Landkreis Leipzig, der Stadt Grimma und dem Kreismuseum Grimma zu einem Tag des Austauschs, der Begegnung und der gemeinsamen Zukunftsplanung eingeladen.
Impulse für ein starkes Netzwerk
Bereits beim Ankommen im Rathaussaal wurde deutlich, worum es an diesem Tag gehen sollte: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Bei Kaffee und Tee entstanden erste Kontakte, bekannte Gesichter trafen auf neue Akteur:innen.
Nach dem gemeinsamen Ankommen eröffnete Luise Hahmann, Leiterin des Kreismuseums Grimma, den Engagiertentag und begrüßte die Gäste im historischen Rathaussaal. Sie erinnerte an den außergewöhnlichen Denkmalreichtum Grimmas und betonte, dass das kulturelle Erbe nur durch das Zusammenwirken vieler engagierter Menschen bewahrt werden könne. Denkmalpflege lebe vom Austausch unterschiedlicher Kompetenzen und vom gemeinsamen Engagement. Ziel des Engagiertentages sei es daher, vorhandene Erfahrungen und Ideen zusammenzuführen, neue Kontakte zu knüpfen und die Zusammenarbeit für die Baukultur in Grimma nachhaltig zu stärken. Zugleich hob sie die Unterstützung des Denkmalnetz Sachsen hervor, das den Vernetzungsprozess mit fachlicher Erfahrung begleite und neue Impulse für die gemeinsame Arbeit geben könne.
Anschließend hieß Toralf Zinner, Leitungsteam des Denkmalnetz Sachsen, die Teilnehmenden herzlich willkommen und stimmte auf einen Tag des Austauschs und der Vernetzung ein. Er unterstrich die Idee des Veranstaltungsformates “Engagiertentag”, Menschen zusammenzubringen, die sich auf unterschiedliche Weise für den Erhalt der Baukultur und des kulturellen Erbes einsetzen. Dieses Mal mit dem Fokus auf Grimma.
In ihrem Grußwort würdigte Ines Lüpfert, Zweite Beigeordnete des Landratsamtes Landkreis Leipzig, das vielfältige ehrenamtliche Engagement für die historische Baukultur. Sie betonte die zentrale Bedeutung bürgerschaftlichen Einsatzes für den Erhalt und die Vermittlung des baulichen Erbes und griff zugleich die aktuellen Diskussionen um die zukünftige Neuaufstellung der staatlichen Denkmalpflege in Sachsen auf, welche auch aus Sicht der kommunalen Ebene aufmerksam begleitet werden. Mit Blick auf das Kreismuseum hob sie hervor, dass die aktuellen Entwicklungen mit Luise Hahmann als neuer Leiterin und die bereits neu gesetzten Impulse das öffentliche Interesse am Museum nachhaltig stärken können. Dadurch eröffnen sich neue Perspektiven, um das Kreismuseum in die Zukunft zu führen.
Grimmas Oberbürgermeister Tino Kießig hob in seinem Grußwort hervor, welch große Bedeutung das Thema und der fachliche Austausch zur Denkmalpflege für ihn haben. In einer Zeit, in der der persönliche Dialog immer wichtiger werde, seien lösungsorientierte Gespräche der Schlüssel für ein gutes Miteinander. Umso mehr freue es ihn, dass beim Engagiertentag nicht Theorie, sondern Begegnung, Diskussion und gemeinsames Arbeiten im Mittelpunkt standen. Den Teilnehmenden wünschte er erkenntnisreiche Gespräche und viele wertvolle Impulse für die weitere Vernetzung in Grimma.
Vom Mehrwert des Netzwerkens
Den inhaltlichen Auftakt bildete ein Impuls von Lutz Simmler zum Mehrwert des Netzwerkens. Er verdeutlichte anhand diverser Beispiele aus seinem langjährigen Engagement in der Region um Grimma, wie unter anderem für den Turm der Kirche in Grimma/Hohnstädt, den Geopark Porphyrland oder den Seume-Spaziergang von Grimma bis Syrakus, dass der Erfolg von Projekten heute mehr denn je vom Austausch unterschiedlicher Kompetenzen lebt. Zudem betonte er, wie wesentlich es sei, nicht nachzulassen.
Erste Netzwerk- und Kennenlernrunde
Im Anschluss startete der interaktive Teil des Engagiertentages, so kamen die Teilnehmenden in einer freien Murmelrunde in kleinen Gruppen zum Kennenlernen miteinander ins Gespräch. Bereits hier zeigte sich im lebhaften Austausch das große Interesse an zukünftiger Vernetzung.
Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto auf der Rathaustreppe, um diesen besonderen Moment festzuhalten, hieß es “Auf in die Altstadt!”. In zwei Gruppen wurden ausgewählte Kulturdenkmale, wie das Stadtgut, die Rathausgalerie, das Kreismuseum sowie die Klosterkirche und engagierte Initiativen in der Grimmaer Altstadt vorgestellt. Dabei bot sich die Gelegenheit, Projekte direkt vor Ort kennenzulernen, persönliche Erfahrungen und Erinnerungen auszutauschen und die Geschichte der historischen Gebäude aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken. Der Rundgang machte sichtbar, wie eng Denkmalpflege, Stadtgeschichte und ehrenamtliches Engagement miteinander verbunden sind.
Beim gemeinsamen Mittagsimbiss wurden die Gespräche in entspannter Atmosphäre fortgesetzt. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, Kontakte zu vertiefen, Ideen weiterzudenken und neue Anknüpfungspunkte für eine zukünftige Zusammenarbeit zu finden.
Ideen entwickeln – Zukunft gestalten
Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden in drei moderierten Gruppen an den zentralen Zukunftsfragen für die Vernetzung in Grimma: Welche Ressourcen bringen wir mit, wo stoßen wir an Grenzen, und was wäre möglich, wenn wir künftig regelmäßig zusammenarbeiten?
Alle Gruppen stellten fest, dass bereits ein großes Potenzial an Wissen, Engagement und bestehenden Initiativen vorhanden ist, dieses aber durch regelmäßige Austauschformate, bessere Kommunikation und verbindliche Strukturen stärker vernetzt werden sollte. Diskutiert wurden vielfältige Ideen und Impulse, wie unter anderem digitale Kommunikationswege, eine gemeinsame Veranstaltungsdatenbank, die Einrichtung einer Denkmalsprechstunde, gemeinsame Nutzungskonzepte für leerstehende Denkmale sowie eine stärkere Einbindung weiterer Akteur:innen.
Bei der Vorstellung der Ergebnisse zeigte sich ein großer Konsens: Als wichtigste nächste Schritte wurden der Aufbau eines dauerhaften Netzwerks, regelmäßige Vernetzungstreffen, eine bessere Sichtbarkeit bestehender Angebote, einfachere Informationswege und erste gemeinsame Projekte vereinbart.
Zum Abschluss bot der Espressotalk Gelegenheit für einen persönlichen Austausch und erste Rückmeldungen zur Veranstaltung. Besonders gefreut hat uns das durchweg positive Feedback der Teilnehmenden: Viele blicken optimistisch auf die weitere Vernetzung und betonten, wie wichtig der direkte persönliche Austausch für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist.
Interessierte konnten den Tag anschließend bei einer Führung durch die Sonderausstellung des Kreismuseums mit Museumsleiterin Luise Hahmann ausklingen lassen.
Ein starkes Fundament für die Zukunft
Der Engagiertentag 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass in Grimma bereits ein starkes Fundament für eine engere Zusammenarbeit vorhanden ist. Nun gilt es, die gemeinsam entwickelten Ideen Schritt für Schritt in konkrete Maßnahmen zu überführen. Mit der geplanten Denkmalsprechstunde, regelmäßigen Vernetzungstreffen und ersten gemeinsamen Projekten wurden hierfür bereits wichtige Perspektiven entwickelt. Der Engagiertentag war damit weit mehr als eine einmalige Veranstaltung – er markiert den Beginn eines Vernetzungsprozesses, dessen weitere Entwicklung künftig von den engagierten Akteur:innen vor Ort getragen wird. Das Denkmalnetz Sachsen wird diesen Prozess weiterhin beratend begleiten und unterstützend zur Seite stehen.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden für ihre Offenheit, ihre Ideen und ihre große Bereitschaft, sich aktiv einzubringen. Unser besonderer Dank gilt unseren Kooperationspartnern – dem Landratsamt Landkreis Leipzig, der Stadt Grimma und dem Kreismuseum Grimma – sowie Lutz Simmler für seinen inspirierenden Impuls und allen Mitwirkenden, die zum Gelingen des Engagiertentages beigetragen haben. Wir wünschen dem entstehenden Netzwerk viel Erfolg auf seinem weiteren Weg und freuen uns darauf, seine Entwicklung auch künftig begleiten zu dürfen.
Fotos: DNS, Katharina Rühling
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