Ein Beitrag von Isabella Morgenroth
VT-Falte ist die abgekürzte Bezeichnung für einen vorgefertigten, trapezförmigen Faltwerkträger aus Spannbeton. Aus der Aneinanderreihung mehrerer solcher typisierten Träger wurden in der DDR die oft zu betrachtenden wellenförmigen Dächer gebildet.
Die einzelne VT-Falte hat eine Haubenform und ist durch einen über die gesamte Länge konstant bleibenden, nach unten geöffneten trapezförmigen Querschnitt gekennzeichnet. Entwickelt wurde diese Ende der 1960er Jahre am Institut für Stahlbeton in Dresden. Bis heute prägt sie durch ihre schnelle und flächenhafte Nutzung die Stadtbilder im Osten Deutschlands.
Mit ihrer markanten Wellenform sollten Stadtbilder aufgelockert und verschönert werden. Bautechnisch ermöglichte die VT-Falte den Bau stützenfreier Hallen für Industrie, Landwirtschaft und das gesellschaftliche Leben. Die einzelne VT-Falte erreicht eine Länge von bis zu 24 Metern und eine Breite von bis zu drei Metern. Durch die Nutzung von Spannbeton hat die VT-Falte ein geringes Eigengewicht, was effizientes Verbauen und den Transport ermöglichte.
Auch in Leipzig verbreitete sich die VT-Falte schnell. Über 100 Gebäude entstanden innerhalb der 1970er- und 1980er-Jahre. Ein Grund war die lokale Produktion beim Baugeschäft Zuber KG im Leipziger Westen. Im 24-Stunden-Takt wurden in der zunächst halbstaatlichen Konsumgenossenschaft VT-Falten und andere Wandfertigteile produziert. 1972 wurde das Werk komplett verstaatlicht und 1992 die letzte VT-Falte vor Ort produziert. Auf dem ehemaligen Produktionsgelände ist bis heute eine Mehrzweckhalle mit VT-Faltendach erhalten.
Der Erhalt der VT-Faltendächer ist nicht gesichert. Einige Gebäude werden abgerissen oder bleiben trotz ihres bautechnischen und kulturellen Werts innerhalb des Stadtbilds ohne Perspektive. Gerade im Kontext nachhaltigen Bauens bietet ihre Untersuchung großes Potenzial. So könnte beim geplanten Abriss einer Zweifeldersporthalle in Lausen-Grünau die Dachkonstruktion analysiert und wichtige Erkenntnisse für vergleichbare Bauwerke gewonnen werden. Da der Stadt die finanziellen Mittel fehlen, suchen Initiativen derzeit nach Projektpartnern und Fördermöglichkeiten.
Parallel wächst das zivilgesellschaftliche Engagement für den Erhalt dieses kulturellen Erbes, etwa durch Johanna Knigge. Sie hat im Rahmen ihrer Masterarbeit einen Atlas mit den VT-Faltendächern Leipzigs gestaltet. Dieser macht die Bauten sichtbar und ermöglicht es auch Privatpersonen, eigene Funde zu dokumentieren.
Fotos: DNS, Isabella Morgenroth und Alena Len Voigt